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Sächsische Parks: Der Barockgarten Großsedlitz

Das hatte sich Sachsens schillernder Kurfürst August der Starke anders vorgestellt: Als „unvollendete Sinfonie“ und nicht wie geplant als imposantes Gegenstück zum prächtigen Schloss und Park von Versailles ist sein Barockgarten Großsedlitz bei Heidenau in die Geschichte eingegangen. Doch Größe ist nicht alles: Auch wenn keine 96 Hektar realisiert wurden, bildet die weitläufige Anlage mit ihren zwölf Hektar ein faszinierendes Gartenkunstwerk.

Orangerie Barockgarten Großsedlitz

Zwischen 1719 und 1726 wurden die Obere und die Untere Orangerie des Gartens erbaut. Foto: Dr. Andrea Dietrich

Das terrassierte Gelände prägen zwei Orangerien, viele Wasserspiele und rund 60 Skulpturen. Die Pomeranzen-Sammlung in Großsedlitz zählt zu den größten im deutschsprachigen Raum. Die aus den Früchten hergestellte Bitterorangenmarmelade gibt es im Besucherzentrum zu kaufen. Aber flink: nur so lange der Vorrat reicht.

Rauschende Feste vor opulenten Wasserspielen

Ursprünglich hatte Reichsgraf August Christoph von Wackerbarth sich an Stelle des abgebrannten Rittergutes Sedlitz einen repräsentativen Landsitz errichten lassen. Das von Natur aus hügelige Gelände unterteilte Baumeister Johann Christoph Knöffel mit Stützmauern, Sandsteinbalustraden und Treppen in mehrere Gartenterrassen. Von ihnen schweifen die Blicke vom Elbtal bis ins Osterzgebirge. August der Starke kaufte die Anlage 1723 und ließ sie nach französischem Vorbild umgestalten. Geldmangel verhinderte die Vollendung seiner kühnen Pläne. Dennoch wurde Großsedlitz einer der wichtigsten Festorte des sächsischen Hofes im Barock. Allein das Fest des Polnischen Weißen Adlerordens fand hier 13 Mal statt.

Wasserspiele Barockgarten Großsedlitz

Wasser ist als Gestaltungselement an mehreren Stellen in Großsedlitz zu finden. Foto: Dr. Andrea Dietrich

Wasser ist ein wichtiges Element der barocken Gartengestaltung. Dazu zählen in Großsedlitz das mit Eiszapfen verzierte „Eisbassin“ und die „Stille Musik“, ein mit zahlreichen Sandsteinputti dekoriertes Wasserbassin. Für die Betonung der Mittelachse entstand am Hang ein künstlicher Wasserfall, die „Waldkaskade“. Um das für den Betrieb der Wasserspiele notwendige Wasser nach Großsedlitz zu holen, wurde in Köttewitz an der Müglitz eine Wasserkunst, eine hydraulische Wasserhebeanlage, errichtet. Berechnungen lassen vermuten, dass die Wasserspiele im Barock nicht viel länger als eine halbe Stunde betrieben werden konnten – ein kostspieliges Vergnügen!

Orangen als Sinnbild ewiger Jugend

Bitterorangen Barockgarten Großsedlitz

Bitterorangen, sogenannte Pomeranzen, zieren das Untere Orangerieparterre. Foto: Dr. Andrea Dietrich

August der Starke hegte auch eine Leidenschaft für Orangenbäume, verhießen sie doch nichts Geringeres als ewige Jugend. Als „Orangenbäume“ galten zu seiner Zeit übrigens alle Zitrusgewächse: neben den beliebten Pomeranzen auch Zitronen, Zitronat-Zitronen, Pampelmusen und Orangen. Die Pflanzen erwarb August meist auf der Leipziger Messe oder direkt in Italien. Vermutlich hatte auch Graf Wackerbarth in seinem Großsedlitzer Garten Orangenbäume aufstellen lassen. Zur Überwinterung mussten die kostbaren, aber kälteempfindlichen Bäume in sogenannte Orangerieparterren ziehen. Ein Garteninventar von 1736 nennt 1.287 Bäume. Bis auf zwölf Stück erfror der historische Baumbestand jedoch im kalten Winter 1928/29. Seit 1996 beleben neue Zitrusbäume aus Italien die Tradition der Großsedlitzer Orangerie. Im Winter sind auch die Orangenbäumchen des Dresdner Zwingers hier untergebracht.

Der Barockgarten Großsedlitz aus der Vogelperspektive

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