TOP

Sächsische Parks: Der agra-Park in Markkleeberg

Viele Jahre sind ins Land gegangen, seit sich der Konsul und Zeitungsverleger Paul Herfurth vor den Toren von Leipzig seinen idyllischen Sommersitz errichten ließ. Um 1890 kaufte er den südlichen Teil des ehemaligen Gutes Raschwitz. Ein Landschaftspark mit malerischen Teichen und antiken Tempelnachbildungen entstand, außerdem eine repräsentative Villa im neoklassizistischen Stil. Das Flair jener Zeit ist noch spürbar – gleichzeitig spiegelt sich aber auch das Auf und Ab der deutschen Geschichte im heutigen agra-Park in Markkleeberg wider.

Der ionische Musentempel steht auf einer Insel im Großen Parkteich. Foto: J. Reese-Cermak

Als Weißes Haus ist die ehemalige Herfurthsche Villa bekannt. Wer schon einmal im Park von Schloss Versailles bei Paris war, fühlt sich beim Anblick des Gebäudes an Frankreich erinnert. Das Lustschloss „Petit Trianon“ diente dem Architekten als Vorbild. 1896/97 wurde das auffällige Bauwerk am höchsten Punkt des Landschaftsgartens in direkter Nachbarschaft des Großen Parkteichs errichtet. Im Inneren gibt es sogar einen vergoldeten Spiegelsaal, den das Standesamt der Stadt Markkleeberg für Trauungen nutzt. In den Räumlichkeiten des Weißen Hauses finden außerdem regelmäßig klassische Konzerte, Theatervorstellungen, Fachvorträge und Kunstausstellungen statt.

Vom privaten Sommersitz zum Freizeit- und Erholungspark

Im östlichen Parkteil befindet sich der ebenfalls von griechischen Vorbildern inspirierte Antentempel. Foto: J. Reese-Cermak

Bis etwa 1920 begrenzte der Flusslauf der Pleiße den Park im Osten. Danach dehnte Paul Herfurth ihn darüber hinaus in Richtung Dölitz aus. Nachdem die Familie 1945 enteignet worden war, veranstaltete die DDR zwischen 1949 und 1959 Gartenbauausstellungen auf dem Gelände. Der Name agra-Park etablierte sich ab 1952 mit den gleichnamigen Landwirtschaftsausstellungen. 1960 zogen die Gartenbauschauen nach Erfurt um und der Landschaftsarchitekt Günter Winkler veränderte das Areal zu einem Freizeit- und Erholungspark.

Der Braunkohletagebau brachte in den 1970er Jahre einen besonders drastischen Einschnitt – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Eingeklemmt zwischen zwei Großtagebauen wurden Verkehrswege zusammengedrängt. Das führte zur Begradigung des natürlichen Laufs der Pleiße und zum Bau einer Hochstraße mitten durch den Park. Zahlreiche Sichtbeziehungen gingen so verloren. Mit der Wende verschoben sich die Prioritäten erneut: Seit 1990 liegt der Fokus auf der Wiederherstellung und dem Erhalt des denkmalgeschützten Geländes.

Eine bunte Mischung aus Natur und Kultur

Mit Zugängen von Markkleeberger und Leipziger Seite, Restaurants und ausgedehnten Wiesen für Spiel und Spaß ist der agra-Park ein beliebtes Ausflugsziel für alle Generationen, in dem sich Naturerlebnis und Kulturgenuss verbinden. So hat beispielsweise auch das Deutsche Fotomuseum im Park seinen Sitz.

Rad- und Wanderrouten sowie unzählige Spazierwege führen durch die 50 Hektar große Anlage. Insgesamt gehören neben dem historischen Herfurthschen Park heute drei weitere Teile zum agra-Park: das Dölitzer Holz als südlicher Ausläufer des Leipziger Auenwaldes, die grünen Festplätze und der Braunkohlenwald mit Gehölzarten, die an der Entstehung der Braunkohle vor Millionen von Jahren beteiligt waren.

Der zwischen Leipzig und Markkleeberg gelegene agra-Park lockt mit vielen idyllischen Plätzen. Foto: J. Reese-Cermak

Auf der Homepage des agra-Parks erhalten Sie mehr Informationen rund um dessen Historie und zum umfangreichen Kulturangebot.

Mehr aus der Reihe „Sächsische Parks“

Der Grünfelder Park in Waldenburg

Der Große Garten in Dresden

Der Schlosspark Wechselburg

Das Seifersdorfer Tal bei Wachau

Der Barockgarten Zabeltitz

Der Schlosspark Weesenstein

Der Kurpark Bad Brambach

Der Barockgarten Großsedlitz

Der Landschaftspark des Barockschlosses Rammenau

Hinterlassen Sie einen Kommentar