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Sächsische Parks: Das Seifersdorfer Tal bei Wachau

Herrlich verwunschen versteckt sich das Seifersdorfer Tal am Flusslauf der Großen Röder. Als Landschaftsgarten wurde es Ende des 18. Jahrhunderts unter Hans Moritz Graf von Brühl und seiner kunstsinnigen Gattin Johanna Christina Margaretha gestaltet. Ein guter Ausgangspunkt, um das Tal zu erkunden, ist der Wanderparkplatz an der Freiwilligen Feuerwehr in Seifersdorf. Eine Allee weist die Richtung zum Einstieg am Hang oberhalb dieses geheimnisvollen Kleinodes.

Eine Allee führt nahe des Wanderparkplatzes in Seifersdorf zum Seifersdorfer Tal. Foto: Matthias Weber

Gewundene Wege führen hinunter in das tief eingeschnittene grüne Tal zwischen hohen Felsen, dicht belaubten Bäumen und im Sonnenlicht schimmernden Wiesen. Enten lassen sich mit dem Strom des Wassers treiben, Hummeln summen auf der Suche nach Nektar von Blüte zu Blüte. Auch heute ist die Romantik dieses Ortes zu spüren, den vornehmlich die aus dem Elsass stammende Gräfin „Tina“ in ein seelenvolles Paradies verwandelte. Seiner Schöpferin zu Ehren bekam das Tal bald den Beinamen „Tina-Thal“.

Gartenkunstwerk aus der Epoche der Empfindsamkeit

Inspiriert von den Ideen der Aufklärung und des Humanismus entstanden im Seifersdorfer Tal verschiedene Gartenszenerien. Noch immer sprudelt manche Quelle, die Sonnenuntergangsbank lädt zur Rast und pittoreske Holzbrücken überspannen den Fluss.

Von den zahlreichen Denkmälern ist die Büste der Herzogin Anna Amalia erhalten geblieben. Foto: Matthias Weber

Ursprünglich säumten zahlreiche Tempel und Denkmäler die Pfade links und rechts der Großen Röder. Den „Tempel der ländlichen Freuden“ beispielsweise schenkte Tina von Brühl 1781 ihrem Ehemann zum Geburtstag. An das nach einigen Jahren verfallene Bauwerk erinnert seit 1824 ein Denkmal. Ebenso erhalten geblieben ist das Denkmal für den Dichter Johann Gottfried Herder, der eng mit dem Ehepaar Brühl befreundet war und aus dessen Werken mehrere Inschriften auf den Gartenstaffagen stammten. Auch Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach gehörte zum nahen Bekanntenkreis und wurde mit einer Büste gewürdigt.

An den Resten einer alten Eiche befindet sich der steinerne Altar von „Hermanns Denkmal“. Foto: Matthias Weber

Als einer der frühesten englischen Landschaftsgärten in Deutschland zog das Seifersdorfer Tal seinerzeit viele Ausflügler und bekannte Gäste an, darunter den Maler Caspar David Friedrich oder den Schriftsteller Theodor Körner. Später sank das Tal in einen Dornröschenschlaf, die Gartenarchitekturen verfielen. Dank vieler Ehrenamtlicher, die sich für den Erhalt des Parks engagieren, konnte ein Teil der besonderen Atmosphäre von einst jedoch in die Gegenwart gerettet werden.

Einen Besuch wert ist auch der Park des nahegelegenen Seifersdorfer Schlosses. Die Residenz wurde bis 1826 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel im Stil der Neogotik umgebaut. Der letzte in Seifersdorf wohnhafte Graf war der 1923 verstorbene Karl von Brühl-Renard, der Urenkel der Gräfin Christina.

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