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Sächsische Parks: Der Grünfelder Park in Waldenburg

Die schönen Künste Musik, Malerei und Literatur waren am Hof des Grafen und späteren Fürsten Otto Carl Friedrich von Schönburg (1758–1800) hochgeschätzt. Dazu gesellte sich eine weitere: die Landschaftsgestaltung. Zusammen mit einer pittoresken Sommerresidenz ließ der Graf das Gebiet zwischen der Muldenaue und dem Oberwinkler Tal bei Waldenburg ab 1780 nach dem Vorbild des Wörlitzer Gartenreiches und nach Vorlagen aus Christian Cay Lorenz Hirschfelds Werk „Theorie der Gartenkunst“ zum englischen Park Greenfield (heute Grünfeld) umgestalten.

Flanieren im Geiste der Aufklärung

Große Findlinge und Felsbrocken formen den mystischen Felsengang. Foto: Stadt Waldenburg/A. Thümmler

Der 113 Hektar große Grünfelder Park gehört zu den frühesten englischen Landschaftsgärten Mitteldeutschlands. Darin sollten Wirtschaft und Bildung sowie Kunst und Natur in perfekter Harmonie stehen. Der Fürst verfolgte das Ziel, nichts weniger als ein Idealreich zu errichten, das alle Sinne anspricht und im Geiste der Aufklärung bestimmte Assoziationen und Gefühle vermittelt. Bis heute führt der Park mit seinen Seen und Bachläufen, einer weiten Ebene, einem engen Tal und schroffen Felshängen die Vielfalt der Natur vor Augen.

Ein Spaziergang auf den Pfaden und Wegen war einst auch eine fiktive Reise durch exotische und vergangene Kulturen. Für das Jahr 1795 sind rund 50 Bauwerke und Monumente unterschiedlicher Stilrichtungen nachweisbar. Dazu zählten das neogotische Grünfelder Schloss und ein ruinöses Schlossportal aus der Zeit der Renaissance, das heutige Portal „Der stillen Naturfreude“. Ebenfalls zu entdecken waren kleine asiatisch anmutende Tempel, das nach römischen Vorbildern gestaltete Badehaus, das holländische Landhaus sowie der Hygieia-Tempel im griechischen Stil, der im Volksmund den Namen „Hirschtränke“ trägt. Einige dieser Bauwerke können noch immer besichtigt werden und halten damit den Charme Greenfields als „fürstliches Elysium“ lebendig.

Der Waldenburger Weg zur Weisheit

Das Badehaus ist ein bedeutender Bau des Frühklassizismus. Foto: Stadt Waldenburg/A. Thümmler

Der Fürst, der Mitglied der Leipziger Loge „Minerva zu den drei Palmen“ war, gestaltete die Wegführung in seinem Park als Pfad zur Natur- und Selbsterkenntnis. Das 1786/87 errichtete Badehaus erfüllte dabei die Funktion eines Freundschaftstempels. Der Fürst schenkte es seiner Gattin Henriette als Symbol der Liebe und Verbundenheit. Es weist Ähnlichkeiten zum römischen Pantheon und zu römischen Badehäusern auf. Inwieweit es aber tatsächlich als Bad genutzt wurde, ist umstritten. Quellen aus dem 18. und 19. Jahrhundert erwähnen unter anderem einen Badesaal, ein Kabinett und eine Küche. Ein Wasserbecken oder eine Badewanne lassen sich dagegen nicht nachweisen.

Am Standort des ursprünglichen Weisheitstempels wurde oberhalb des Hygieia-Tempels zwischen 1813 und 1816 das fürstliche Mausoleum errichtet. Foto: Stadt Waldenburg/A. Thümmler

Wer in Waldenburg durch das „Tal des Lebens“ wandelt, kommt auf dem Weg zum Badehaus auch vorbei am Hygieia-Tempel. Dessen Wasser symbolisiert den Quell des Lebens. Stets im Blick bleibt dabei die Kirche von Oberwinkel, die den christlichen Glauben repräsentiert. Das eigentliche Ziel der Route war ursprünglich der Weisheitstempel. An seine Stelle trat nach 1813 das fürstliche Mausoleum, das sinnbildlich für die Ewigkeit steht. Zwei Möglichkeiten gibt es, um sprichwörtlich „zur Weisheit“ zu gelangen: den schnellen, anstrengenden und steilen Pfad über die gotische Brücke oder die lange, flache Strecke vorbei an der Glänzelmühle und dem einstigen Dianenbad.

Wer Näheres über die Geschichte des Grünfelder Parks sowie über den Weg zur Natur- und Selbsterkenntnis erfahren möchte, hat dazu im Rahmen verschiedener Führungen Gelegenheit.

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