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Dresden und das Umland ohne Auto erkunden

Urlaub heißt Auszeit vom Alltag, Neues entdecken und für viele Menschen auch Entschleunigung. Wie gut trifft es sich da, wenn das Auto stehenbleiben kann. Dank öffentlichem Nahverkehr ist das in Dresden und ringsherum wunderbar möglich. Statt nervenraubender Parkplatzsuche und langer Spaziergänge zurück zum Ausgangspunkt bleibt mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge: spannende Geschichten, beeindruckende Architektur und königliche Kulturschätze.

Dresden Zwinger Straßenbahn

Bei einer Fahrt mit den gelben Dresdner Straßenbahnen ist Sightseeing inklusive. Foto: VVO/Lars Neumann

Zahlreiche Optionen für umweltfreundliche Streifzüge bieten die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) und der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO). Die DVB gehören zu den 13 Verkehrsunternehmen, die mit dem VVO zusammenarbeiten. Sie fahren in fast jeden Winkel der sächsischen Landeshauptstadt und darüber hinaus – Sightseeing inklusive, denn die verschiedenen Strecken führen beispielsweise vorbei am Zwinger, dem Kulturpalast, der Gläsernen Manufaktur oder dem Fußballstadion von Dynamo Dresden. In der Innenstadt sind nahezu alle Haltestellen barrierefrei gestaltet und im Straßenbahnnetz ausschließlich Niederflur-Stadtbahnwagen mit integrierter Rampe für Rollstuhlfahrer im Einsatz.

Bequem unterwegs mit Touristentickets

Speziell an Touristen richtet sich die Dresden City Card. Damit sind Bus und Bahn innerhalb der Stadt und die Straßenbahnlinie 4 bis Radebeul und Weinböhla kostenlos. Wer zugleich die angrenzenden Regionen Elbland und Sächsische Schweiz besuchen möchte, der sollte zur Dresden Regio Card greifen, die das gesamte Gebiet des Verkehrsverbundes Oberelbe umfasst. Obendrein gibt es mit den Karten Vergünstigungen in Museen, Restaurants, bei Veranstaltungen sowie beim Eintritt in Schlösser, Burgen und Parks.

Zum Schloss Pillnitz mit Dampfer, Rad oder Bus

Mit vielen interessanten Ausflugszielen punktet auch das Dresdner Umland: Das Elbland im Nordwesten oder die Sächsische Schweiz im Südosten sind auf der Schiene mit der S-Bahn-Linie S 1, auf dem Wasser mit historischen Raddampfern oder auf diversen Routen mit dem Fahrrad gut erreichbar.

Dresden Frauenkirche Elberadweg

Der beliebte Elberadweg verbindet Dresden mit der Sächsischen Schweiz und dem Elbland. Foto: Sylvio Dittrich (DML-BY)

Gemütlich schippert die Flotte der Sächsischen Dampfschifffahrt von Dresden bis nach Pirna, Radebeul oder Meißen. Nahezu parallel dazu verläuft der Elberadweg mit herrlichen Aussichten auf die drei Elbschlösser, grüne Wiesen und den Fluss.

Lohnendes Ziel für eine Radtour ist beispielsweise Schloss Pillnitz, das rund 15 Kilometer vom Dresdner Stadtzentrum entfernt liegt. Ganz ohne sportliche Anstrengung geht es mit dem Dampfer oder der Buslinie 63 dorthin.

Das Schloss und der Park befinden sich direkt an der Elbe und dienten einst als Sommersitz des sächsischen Hofes. Die Palaisbauten im schmucken chinoisen Stil beherbergen heute unter anderem das Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Dresden Schloss Pillnitz Elbe Dampfer

Schloss Pillnitz ist bestens zu erreichen, egal ob per Bus, Rad oder mit dem historischen Schaufelraddampfer. Foto: Christoph Münch (DML-BY-NC)

In nur 30 Minuten per S-Bahn zum Wandern in die Sächsische Schweiz

Linkselbisch fährt die S-Bahn S 1 von Dresden aus ins 30 Kilometer entfernte Elbsandsteingebirge, wo unzählige Wanderrouten durch verwunschene Schluchten, an bizarren Felsen vorbei und hinauf auf die pittoresken Sandsteingipfel führen, Panoramablick inklusive. Nacheinander hält die Bahn in Pirna, Rathen, Königstein und Bad Schandau. Die fast originalgetreu erhaltene Pirnaer Altstadt, nach rund 20 S-Bahn-Minuten erreicht, erlangte auf den barocken Ansichten des Malers Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, Berühmtheit.

Pirna Altstadt Rathaus Sächsische Schweiz

Pirnas pittoreske Altstadt ist eine wahre Augenweide und begeisterte schon die Maler des Barock. Foto: Jens Dauterstedt

Nach weiteren elf Minuten Fahrt stoppt der Zug in Rathen am Fuße der faszinierenden Bastei. Per Gierseilfähre setzt man über in den Kurort, der obendrein für seine Felsenbühne bekannt ist. Dort werden Stücke von Karl May, Märchenklassiker und beliebte Opern aufgeführt. Bis 2022 wird die Bühne allerdings umgebaut. Stattdessen steht im Sommer ein Theaterzelt auf den Elbwiesen nur 100 Meter vom Bahnhof entfernt.

Am nächsten Halt, Königstein, thront hoch über der Elbe auf einem Felsplateau die unbezwingbare gleichnamige Festung. Mehr als 50 Bauwerke laden dort zu einer Reise in 800 Jahre bewegte Geschichte ein. Erobern lasst sich die Festung Königstein vom Bahnhof aus zu Fuß auf den ausgeschilderten Wanderwegen in 30 bis 45 Minuten. Alternativ tuckert von April bis Oktober der Festungsexpress hinauf.

Nur eine S-Bahnhaltestelle weiter befindet sich die Kurstadt Bad Schandau. Sie ist ein perfekter Ausgangspunkt für ausgedehnte Wanderungen zum markanten Lilienstein oder zu den Schrammsteinen. Übrigens: Der Bahnhof Bad Schandau liegt auf der gegenüberliegenden Elbseite, Fähre und Bus fahren hinüber in die Stadt.

Wandern Sächsische Schweiz Malerweg

Zwischen dem Wanderparadies Sächsische Schweiz und Dresden fahren S-Bahnen in enger Taktung. Foto: TV Sächsische Schweiz e. V./Sebastian Thiel

Auf ins Elbland: Radebeul, Meißen und Moritzburg

Von Dresden aus in entgegengesetzter Richtung bezaubert das Elbland mit dem Sächsischen Weinwanderweg und der Sächsischen Weinstraße. Vom Hauptbahnhof startet die S-Bahn S 1 ins etwa zehn Kilometer entfernte Radebeul. Sehenswert sind dort unter anderem das Erlebnisweingut Schloss Wackerbarth, das Karl May Museum und die Vorstellungen der Landesbühnen Sachsen. Kleine Lädchen, urige Kneipen und hübsch sanierte Hauser drängen sich dicht an dicht auf dem Dorfanger von Altkötzschenbroda. Hier heißt es: schlendern, stöbern und ausgiebig schlemmen.

Radebeul Dorfanger Altkötzschenbroda

Der Dorfanger von Radebeul-Altkötzschenbroda ist der perfekte Ort, um die Seele baumeln zu lassen. Foto: Stadt Radebeul

Weiter rollt die S-Bahn in etwa 20 Minuten Fahrtzeit ins schöne Meißen. Wem der Fußmarsch durch die Straßen und Gassen zu anstrengend ist, den bringt der City-Bus hoch hinauf zur Albrechtsburg Meissen. Diese wurde zwischen 1471 und 1524 errichtet und gilt als ältester Schlossbau Deutschlands. August der Starke etablierte darin 1710 Europas erste Porzellanmanufaktur. Heute erzählt das Schlossmuseum Interessantes zur Entstehungsgeschichte des seinerzeit wegweisenden spätgotischen Baus. Der City-Bus fährt auch ins Triebischtal, wo die weltberühmte Porzellan-Manufaktur Meissen heute ansässig ist.

Meißen Albrechtsburg Bus

Von April bis Oktober verkehrt die Buslinie M ab Meißen nach Moritzburg. Foto: VVO/Lars Neumann

Ebenfalls immer einen Besuch wert ist das idyllische Örtchen Moritzburg. Von April bis Oktober steuert die Linie M der Verkehrsgesellschaft Meißen die ehemalige kurfürstliche Jagdresidenz von Meißen aus an. Eine andere sehr reizvolle Möglichkeit, nach Moritzburg zu gelangen, ist die Anreise mit der historischen Lößnitzgrundbahn ab Radebeul Ost.

Um direkt aus Dresden nach Moritzburg zu kommen, startet man vom Bahnhof Dresden-Neustadt mit der Buslinie 477 in Richtung Radeburg/Großenhain. Am Ziel warten beispielsweise das barocke Schloss mit dem legendären Federzimmer und kostbaren Ledertapeten, viele Wanderwege in herrlicher Natur und das Wildgehege.

Schloss Moritzburg Elbland Sachsen

Die sächsischen Kurfürsten und Könige nutzten Schloss Moritzburg und die umliegenden Wälder als Jagdresidenz. Foto: Arvid Müller (DML-BY)

So viel steht fest: Jeder, der kulturellen und landschaftlichen Reichtum schätzt, wird auch in der Umgebung Dresdens mehr als fündig – ganz ohne Auto und mit freiem Kopf für all die neuen Eindrücke. Dabei beginnt die Entdeckungsreise schon unterwegs, gemütlich zurückgelehnt mit Blick auf die vorüberziehende Landschaft.

Autor: Denise Hertel

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