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Ein Sommertag in Moritzburg

Das Schloss am Ende der schnurgeraden Schloßallee zieht unweigerlich die Blicke auf sich. Blauer Himmel, Sonnenschein, ein leises Lüftchen bewegt die Blätter der Bäume. Nur 15 Kilometer nördlich von Dresden stellt sich in Moritzburg ein Gefühl von Sommerfrische ein.

Märchenschloss, Aschenbrödel und noch viel mehr

Für große Namen hatte Moritzburg schon immer einen besonderen Klang. Der legendäre sächsische Kurfürst August der Starke ließ das Renaissanceschloss umbauen zum barocken Jagd- und Lustschloss. Sein Urenkel Friedrich August III. zog sich ins Fasanenschlösschen zurück und feierte maritime Feste am Großteich. Und auch Prinzen und Prinzessinnen aus dem Reich der Märchen entdeckten Moritzburg für sich – im deutsch-tschechischen Weihnachtsklassiker „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ verlor die Braut in spe auf der Treppe an der Ostseite des Schlosses ihren Tanzschuh … ein regelrechter Pilgerort für die Fans des Kultfilms, dank der beliebten Winterausstellung auch noch beinahe 50 Jahre nach Ende der Dreharbeiten.

Die barocke Jagdresidenz Schloss Moritzburg ist die bekannteste Sehenswürdigkeit des Ortes. Foto: www.schloesserland-sachsen.de/Carlo Boettger

Das Schloss ist eine Station auf dem Königsweg, der sich markiert mit einer orangefarbenen Krone auf elf Kilometern in einem weiten Rund entlang der Highlights des Örtchens zieht. Denn die Barockresidenz mit ihren vier markanten Türmen, den kostbaren Ledertapeten und Jagdtrophäen, dem Federzimmer und dem Porzellanquartier steht zwar sinnbildlich für Moritzburg, zu sehen gibt es aber noch viel, viel mehr. Daran haben die einstmaligen sächsischen Kurfürsten erheblichen Anteil: Sie ließen in ihrem angestammten Jagdrevier, dem Friedewald, im Laufe der Jahrhunderte Teiche, Kanäle, Inseln und Schneisen anlegen, die heute die Moritzburger Kulturlandschaft prägen.

Auf dem Königsweg zum Fasanenschlösschen und Leuchtturm

Schon 1733 wurden die Stallanlagen des Landgestütes Moritzburg gebaut. Sie können nach Voranmeldung besichtigt werden. Foto: Landgestüt Moritzburg

Vis-à-vis des Schlosses geht es in östlicher Richtung vorbei am Landgestüt Moritzburg, das ebenfalls bereits unter August dem Starken errichtet wurde. Hinter dem angrenzenden Schwanenteich biegt der Königsweg von der Radeburger Straße nach rechts ab. Schon nach kurzer Zeit schluckt der Wald die Straßengeräusche. Bald erfüllen nur noch Vogelzwitschern und Insektensurren die Luft. Im Sand des breiten Pfades zeichnen sich hier und da Hufeisenabdrücke ab.

Gleich einem wertvollen Schmuckkästchen taucht das pittoreske Fasanenschlösschen hinter saftig grünen, blühenden Wiesen auf. Foto: www.schloesserland-sachsen.de/Sylvio Dittrich

Nach zwei Kilometern kommt hinter Baumwipfeln und Hecken das Fasanenschlösschen in Sicht, ein Palais im Rokokostil. Wegen seiner geringen Größe, aber umso wertvolleren Ausstattung wird es auch als „Paradies in der Nussschale“ bezeichnet. Davor ragt eine sanft geschwungene Mole mit einem pagodenförmigen Leuchtturm in den Großteich, den zwei künstlich aufgeschüttete Inseln zieren. 1776 luden Kurfürst Friedrich August III. und seine Gemahlin Amalie Auguste in dieser Kulisse zur unterhaltsamen Seeschlacht. Sogar eine mit Kanonen geschmückte zweimastige Fregatte wurde zum Amüsement der Gäste zu Wasser gelassen. Einst trug der Teich den Beinamen „Sächsisches Meer“. Lang, lang ist’s her. 1913 wurde ein Damm errichtet und der Wasserspiegel im Niederen Großteich zugunsten der Karpfenzucht um rund 1,50 Meter abgesenkt.

Wandern und Radfahren vom Wildgehege zu den Moritzburger Teichen

Das Wildgehege, in dem Damhirsche, Luchse oder Wölfe naturnah leben, hat seine Ursprünge zu Zeiten der sächsischen Kurfürsten. Foto: Sabine Frey

Der Königsweg streift auch das Wildgehege, dessen Ursprünge bis ins Jahr 1580 zurückreichen. Damals wurde unter den Kurfürsten Moritz und August ein Jagdgatter angelegt, um die Hofküche mit frischem Wildbret zu versorgen. Später fanden im „Alten Thiergarten“ Parforcejagden nach französischem Vorbild statt. Alte Mauerreste sind noch allerorten am Wegesrand zu entdecken. Im Wildgehege leben heutzutage unter anderem Rot- und Damhirsche, Elche, Rehe, Wildkatzen, Luchse und Wölfe. Auf dem Gelände befindet sich außerdem der Abenteuerpark, ein Waldseilgarten mit acht Kletterparcours unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade.

Der Königsweg führt als 11 Kilometer langer Rundweg zu den Sehenswürdigkeiten von Moritzburg. Foto: Matthias Weber

Jenseits des Fasanenschlösschens machen sich weitere Wanderer rar. Dafür strampeln immer mehr Radfahrer mit Muskelkraft oder E-Unterstützung vorbei, denn auf dem ebenen Teilstück zwischen Großteich, Frauenteich und Mittelteich verlaufen der Moritzburger Ring und die Teichroute auf derselben Strecke wie der Königsweg. Die Gewässer gehören zu den ab 1480 künstlich geschaffenen „Himmelsteichen“ rund um Moritzburg, die nur durch Regenwasser – also „aus dem Himmel“ – gespeist werden.

Vogelparadies mit Schaufenster am Frauenteich

Am südwestlichen Rande des Frauenteichs versteckt sich etwas abseits des Königsweges eine hölzerne Beobachtungskanzel. Wer den dezenten Hinweis auf diesen kleinen Abzweig verpasst, dem entgeht eine Aussicht, die sonst verborgen bleibt.

Naturbeobachtungen sind an den „Himmelsteichen“ am Königsweg möglich. Foto: Matthias Weber

Der Ufersaum und die angrenzenden Wiesen sind im Naturschutzgebiet nämlich tabu für Wanderer. Viele seltene Vogelarten sind hier heimisch, deren Lebensraum nicht gestört werden darf. Umso beeindruckender ist nun der Blick auf die glatte, von dichtem Schilf umstandene Wasserfläche, über die zwei Graureiher auf Beutezug gleiten. Sie sind nicht die einzigen Gäste. Ein Kranichpaar steht majestätisch im seichten Nass, eine ebenso erhabene wie friedliche Szenerie.

Ein weiterer Stopp mit Wasserpanorama lohnt sich am Unteren Altenteich, knapp drei Kilometer, bevor der Königsweg wieder an der Schloßallee endet. Vor einer großen Blockhütte stehen Picknicktisch und -bänke im XL-Format. Den Snack aus dem Rucksack begleitet das „Platschplatsch“ springender Karpfen.

Auch die expressionistischen „Brücke“-Künstler liebten Moritzburg

Paddeln, Wandern, Radfahren – alles ist möglich im idyllischen Camping- und Ferienpark Bad Sonnenland am Dippelsdorfer Teich. Foto: Michael Baerisch

Alsbald ist der Schlossteich erreicht und mit ihm „Blick 7“ des Brücke-Weges. Eine Tafel gibt Auskunft, dass just an dieser Stelle Fritz Bleyl um das Jahr 1901 diese Ansicht des Barockschlosses zeichnete. Bleyl gehörte 1905 in Dresden zu den Gründungsmitgliedern der expressionistischen Künstlergruppe „Brücke“. Auch Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner und Max Pechstein weilten später in Moritzburg, um hier zu malen. Der Brücke-Weg führt an 15 Schauplätze, an denen sie ihre Motive fanden. Einer davon ist das nachgebildete rote Badehaus am Dippelsdorfer Teich in der Nähe des Camping- und Ferienparks Bad Sonnenland.

Im Sommer 1944 kam eine weitere bedeutende Künstlerin nach Moritzburg. Käthe Kollwitz übersiedelte auf der Flucht vor dem Krieg in den Rüdenhof an der Meißner Straße. Dieser ist heute die abschließende Station des Königsweges. Es sollte der letzte Wohnsitz der berühmten Grafikerin und Bildhauerin werden. Im April 1945 starb sie in diesem Haus, das seit 1995 als Museum an ihr Leben und Werk erinnert.

Bei einem Sachsenwein klingt der Tag gemütlich auf einer Restaurantterrasse aus. Dazu gesellt sich die Erkenntnis: Moritzburg besitzt wirklich alles, was es für einen gelungenen Ausflug braucht – Kultur und Natur dicht beieinander, garniert mit einer ordentlichen Portion Barock.

Claudia Weber

Foto: Greg Snell (DML-BY)

Nostalgische Anreise nach Moritzburg

Natürlich können Sie problemlos mit dem Auto nach Moritzburg reisen, aber warum nicht mal etwas anderes ausprobieren? Die historische Lößnitzgrundbahn, eine dampfbetriebene Schmalspurbahn, rollt in gemütlichem Tempo in knapp 30 Minuten vom Bahnhof Radebeul-Ost nach Moritzburg.

Mehr Informationen zu Ausflugsmöglichkeiten in und um Moritzburg gibt es bei der Kulturlandschaft Moritzburg.

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