Tacheles 2026: Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen
Unter dem Titel „Tacheles“ steht 2026 anlässlich der Gründung des ersten sächsischen Landesverbandes der jüdischen Gemeinden vor 100 Jahren die vielfältige jüdische Kultur und Geschichte in Vergangenheit und Gegenwart in ganz Sachsen im Fokus.
Festivals, Kunstinstallationen, Konzerte, Theateraufführungen, Ausstellungen und viele weitere Angebote zeigen landesweit die enorme Spannbreite jüdischer Kultur. Von Annaberg-Buchholz bis Zittau, von Leipzig bis Görlitz tragen Kultureinrichtungen, Religionsgemeinschaften, Vereine und Künstler zu den über 365 Veranstaltungen des Themenjahres bei.
Graffiti des Chemnitzer Holocaustüberlebenden Justin Sonder (1925-2020), 2025 gesprüht von Street-Art-Künstler AKUT (Falk Lehmann) an der Glockenstraße in Chemnitz | Foto: M.Schmidt/Red Tower Films
Das „Tacheles“-Programm läuft bis zum 12. Dezember 2026 und wird fortwährend aktualisiert. Dazu zählen unter anderem diese Angebote:
Dialog um das „Tabu Wagner“ in Pirna-Graupa
Es gibt wohl kaum ein Thema, das so umfangreich erforscht, aber auch derart umstritten ist wie Richard Wagners Antisemitismus. Dabei liegt das Hauptaugenmerk in der Regel auf dem Leben und Werk des Komponisten. Mit der Sonderausstellung „Tabu Wagner? Jüdische Perspektiven“, die vom 6. März 2026 bis zum 17. Januar 2027 in den Richard-Wagner-Stätten Graupa gezeigt wird, soll Wagners Antisemitismus unter einem anderen Blickwinkel, nämlich aus konsequent jüdischer Perspektive, betrachtet werden: Die in Kooperation mit dem Richard Wagner Museum Luzern kuratierte Ausstellung gibt keine Antworten, sondern soll zum Dialog und zu einer sachlichen Debatte um das „Tabu Wagner“ anregen.
Sonderausstellung „Tabu Wagner? Jüdische Perspektiven“ | Foto: Heinz Dahinden
Stadtführungen in Chemnitz
Die Reihe „Jüdische Spuren in Chemnitz“ führt auf drei Routen durch die Innenstadt, über den Kaßberg oder durch Altchemnitz und bezieht dabei das Projekt Stolpersteine ein. Jüdisches Leben in Chemnitz prägte seit der Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts Wirtschaft und Kultur, wurde im Nationalsozialismus jedoch fast vollständig ausgelöscht. Die zweistündigen Stadtrundgänge verbinden Orte der Erinnerung, Stätten des Wirkens jüdischer Bürger und die lebendige Gegenwart der heutigen Gemeinde.
Theaterplatz Chemnitz | Foto: Oliver Göhler
Vier Wände voller Kunst in Leipzig
In den 1920er Jahren hatte Leipzig eine der größten jüdischen Gemeinden in Deutschland. Einige Familien prägten die bildenden Künste maßgeblich – durch ihr kulturelles Engagement und durch die Werke, die sie dem Museum der bildenden Künste Leipzig (MdbK) stifteten. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde das jüdische Leben in Leipzig vollkommen ausgelöscht. Die einstmals große Verbundenheit jüdischer Bürger mit dem MdbK geriet in Vergessenheit. Die Ausstellung Vier Wände voller Kunst. Jüdische Familien und ihre Sammlungen in Leipzig möchte sie wieder ins Gedächtnis bringen und rückt bis zum 31. Januar 2027 sowohl die Kunstsammlungen als auch die einzelnen Familien(-geschichten) in den Fokus.
Blick in die Ausstellung im Museum der bildenden Künste Leipzig | Foto: PUNCTUM/Alexander Schmidt
Weitere Programmhöhepunkte im Themenjahr „Tacheles“ 2026
Operette von Emmerich Kálmán, Oktober–Dezember an der Oper Leipzig
„ERINNERNS_WERT. Jüdische Spuren in Zwickau“
Ausstellung, 26.6.–9.11. in den Priesterhäusern Zwickau
Momentaufnahme. Das Leipziger Fotoarchiv Mittelmann
Ausstellung, 3.6.–4.4.2027 im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig
Ausstellung, 2.8.–20.12. im Ringelnatz-Geburtshaus in Wurzen
Die Schumanns und das Judentum
Ausstellung, 23.8.–7.11. im Robert-Schumann-Haus Zwickau
Ivonne Dippmann. Textile Herkunft von Karl-Marx-Stadt nach Tel Aviv und zurück
Ausstellung, 29.8.–13.12. auf Schloss Rochsburg in Lunzenau
Ausstellung, 1.9.–30.11. im Capa-Haus in Leipzig
Jüdische Woche „Verflechtungen – Jüdische Gegenwarten in Europa“
29.10.–5.11. Dresden
Musikfestival, 14.–21.11. Leipzig
Jüdisches Leben und die Musikerfamilie Bach
bis 13.12. im Bach-Museum Leipzig
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