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Hochwald mit Hochwaldbaude auf dem Oberlausitzer Bergweg im Zittauer Gebirge

Wandern mit Aussicht auf dem Oberlausitzer Bergweg

Die Naturschauspiele entlang des Oberlausitzer Bergweges suchen ihresgleichen. Zwischen Neukirch und Zittau führt der Wanderweg auf knapp 107 Kilometern durch wildromantische Täler und urige Wälder, über Gipfel mit atemberaubenden Fernsichten und vorbei an bizarren Felsformationen. Auch zahlreiche Ausflugsziele liegen links und rechts der Strecke.

Etappe 1 und 2: Von Neukirch über Sohland a. d. Spree nach Schönbach

Der Oberlausitzer Bergweg gliedert sich in sechs Etappen, die jeweils zwischen 14 und 25 Kilometern lang sind. Bei einer Wanderzeit von dreieinhalb bis sieben Stunden pro Tag bleibt genügend Zeit, sich abseits der Strecke umzusehen.

Traditionelle Töpferei in Neukirch am Oberlausitzer Bergweg

Der Ort Neukirch ist für traditionelle, in Handarbeit gefertigte Töpferwaren bekannt. Foto: TGG Oberlausitzer Bergland/Uwe Schwarz

Die Wanderung startet im Töpferort Neukirch mit heute noch drei betriebenen Töpfereien, die ihre aufwändige Handwerkskunst in Schauwerkstätten demonstrieren. Zwei Höhenzüge des Oberlausitzer Berglandes betten das beinahe 800 Jahre alte Dorf ein und geben den Blick frei auf den 587 Meter hohen Valtenberg. Dessen Gipfel gilt es als ersten von zahlreichen weiteren entlang des Wanderweges zu erklimmen. Ein 25 Meter hoher Aussichtsturm mit Vermessungssäule krönt seine Kuppe. Von diesem Turm schaute 1865 bereits der sächsische König Johann in die Ferne.

Immer nah an der deutsch-tschechischen Grenze führt der Weg weiter in Richtung Sohland an der Spree, wo die erste Etappe nach 21 Kilometern endet. Am Flussbett der Spree werden die Gegensätze zwischen idyllischem Tal und schroffen Gebirgszügen besonders deutlich.

Ganz Mutige wagen sich über die Himmelsbrücke von 1796. Eine alte Sage prophezeit, dass sie zusammenbricht, wenn ein Lügner sie überschreitet. Doch ob mit oder ohne Mutprobe – danach geht es auf die 487 Meter hohen Kälbersteine. Von einem Granitfels mit Aussichtsplattform schweift der Blick hier oben hinüber ins Böhmische.

Und auch der nächste Aufstieg lässt nicht lange auf sich warten. Der Weg auf den 499 Meter hohen Bieleboh bei Beiersdorf erfordert Puste und Kondition, wird aber gleich doppelt belohnt: Zum einen erneut mit einem herrlichen Rundblick auf die Oberlausitz vom 18 Meter hohen Turm. Und zum Zweiten mit einer Pause in der Bergwirtschaft. Nach dem Abstieg vom Bieleboh wartet nach insgesamt 16 Kilometern das Tagesziel in Schönbach.

Wegweiser am Oberlausitzer Bergweg

Über 107 Kilometer führt der Oberlausitzer Bergweg von Gipfel zu Gipfel. Foto: Tourismuszentrum Naturpark Zittauer Gebirge

Etappe 3 und 4: Von Schönbach über Eibau nach Waltersdorf

Von Schönbach schlängelt sich die Strecke über 21 Kilometer nach Eibau, vorbei am schilfgesäumten Naturdenkmal „Alter Teich“, wo viele Vogelarten heimisch sind. Am Westhang des 583 Meter hohen Kottmar entspringt die höchstgelegene der drei Quellen der Spree. Der Kottmar ist übrigens ein erloschener Vulkan.

Im Tal liegt Eibau. Kulturelles Zentrum des Dorfes ist der Faktorenhof an der Hauptstraße. In dem historischen Dreiseithof befinden sich die Tourist-Information „Spreequellland“ und das Heimatmuseum. Auch für das seit über 200 Jahren im Ort gebraute Schwarzbier ist Eibau bekannt.

Schatzkammer im Deutschen Damast- und Frottiermuseum Großschönau

Im Deutschen Damast- und Frottiermuseum Großschönau steht die Textilgeschichte des Dorfes im Mittelpunkt. Foto: Bertram Kober/punctum

Gut gestärkt, geht es auf die 25 Kilometer lange vierte Etappe. Am Weg liegt das Windmühlen- und Wetterdorf Oderwitz. Später führen ruhige Pfade durch den Hofebusch auf den 371 Meter hohen Hutberg, zu dessen Füßen sich im Mandautal das Textildorf Großschönau erstreckt. Dort stand 1856 der erste Frottierwebstuhl in Deutschland. Das Deutsche Damast- und Frottiermuseum mit eigener Schauwerkstatt, der Textilpfad und die etwa 650 Umgebindehäuser in Großschönau können zahlreiche Geschichten dazu erzählen.

Nach einer kurzen Atempause beginnt nun der Aufstieg ins Zittauer Gebirge. Der Kammweg windet sich vom 670 Meter hohen Weberberg an der tschechischen Grenze entlang zum Lauscheborn und hinauf auf die 793 Meter hohe Lausche, den höchsten Berg des Zittauer Gebirges. Erst im August 2020 wurde hier eine neue Aussichtsplattform eröffnet, die einen grandiosen 360-Grad-Blick möglich macht.

Von der Lausche bergab passiert der Weg das ehemalige Zollhaus „Alte Wache“. Nach einem weiteren kleinen Abstieg ist der Erholungsort Waltersdorf erreicht, der sich fernab von Lärm und Hektik seinen Beinamen mehr als verdient hat. Geballtes Wissen zum Zittauer Gebirge vermittelt hier das Naturparkhaus mit der Erlebnisausstellung und dem nur fünf Minuten entfernten Naturparkgarten.

Blick auf den Berg Lausche bei Waltersdorf am Oberlausitzer Bergweg

Mit 793 Metern ist die Lausche der höchste Berg des Zittauer Gebirges. Foto: M. Ullrich

Etappe 5 und 6: Von Waltersdorf über Oybin nach Zittau

Auch auf den 14 Kilometern nach Oybin wechseln sich malerische Täler mit hochaufragenden Bergen ab. So führt der Hohlsteinweg zu den Nonnenfelsen oberhalb von Jonsdorf. In den schroffen Sandsteingebilden sahen die Einheimischen einst „zwey Nonnen dicht nebeneinander mit Schleyer und Habit“.

Nonnenfelsen bei Jonsdorf

Oberhalb von Jonsdorf ragen die Nonnenfelsen in den Himmel. Foto: Katja Fouad Vollmer

Davon kann man sich am besten vom Boden aus ein Bild machen. Im als familienfreundlich zertifizierten Luftkurort Jonsdorf selbst lohnt sich eine längere Pause. Sehenswert sind zum Beispiel das tropische Schmetterlingshaus und – im Sommer – die Waldbühne.

Nächstes sportliches Ziel der Wanderung ist der Hochwald. Etwas unterhalb der 749 Meter hohen Bergkuppe befinden sich mit der Hochwaldbaude und der Hochwald-Turmbaude gleich zwei urige Gaststätten. In Oybin dominiert der Berg Oybin mit den mächtigen Ruinen eines mittelalterlichen Burg- und Klosterensembles das Ortsbild. Die alten Gemäuer inspirierten bereits Maler der Romantik wie Caspar David Friedrich.

Mittelalterliche Ruinen von Burg und Kloster am Berg Oybin

Die Ruinen von Burg und Kloster Oybin schmiegen sich an den gleichnamigen Berg. Foto: Thomas Glaubitz

Der letzte, 16 Kilometer lange Abschnitt des Oberlausitzer Bergweges führt von Oybin nach Lückendorf und dort über den 570 Meter hohen Scharfenstein in Richtung Zittau. Ein Stück des Weges verläuft anschließend parallel zur Strecke der historischen Zittauer Schmalspurbahn. Am Dreiländerpunkt in Hartau markieren drei Grenzsteine und drei Fahnen die Stelle, wo Deutschland, Polen und Tschechien sich treffen.

Die Natur weicht nun Schritt für Schritt zurück. An ihre Stelle tritt die städtische Kultur Zittaus. Die über 750-jährige Textil- und Handelsstadt wurde einst „die Reiche“ genannt, wovon Bauwerke und Kunstschätze zeugen. Im historischen Stadtkern verbindet der Zittauer Kulturpfad 54 Sehenswürdigkeiten aus mehreren Jahrhunderten, darunter die von Karl Friedrich Schinkel entworfene Johanniskirche und das Rathaus. Deutschlandweit einzigartig sind die spätmittelalterlichen Zittauer Fastentücher.

Altstadt von Zittau

In der über 750-jährigen Stadt Zittau mit sehenswerten historischen Bauten endet die Wanderung. Foto: Richard Bohn

Wandern ohne Gepäck
Für alle, die jetzt Lust bekommen haben, über die Vulkanberge am tschechischen Grenzkamm zu den Sandsteinformationen im Zittauer Gebirge zu wandern, bietet das Tourismuszentrum Naturpark Zittauer Gebirge eine siebentägige Wanderwoche entlang des Oberlausitzer Bergweges an. Dabei wird das Gepäck von Hotel zu Hotel transportiert. Auch Wanderkarten, Lunchpakete, ein Bergpass und ein Wanderabzeichen gehören zum Service.

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