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Sachsens traditionsreiche Manufakturgeschichte

In Sachsen haben einige seltene und traditionelle Handwerkskünste ihren Ursprung, die seit Generationen in Manufakturen weitergelebt werden. Kreative Köpfe arbeiten mit innovativen Ideen, geschickten Händen und viel Herzblut daran, dieses einmalige kulturelle Erbe zu bewahren und fortzuführen. Bei einem Blick über die Schultern der Meister entsteht eines auf jeden Fall: Staunen!

Nussknacker, Räuchermännchen & Co. aus dem Erzgebirge

Schnitzen und Drechseln haben im Erzgebirge eine lange Tradition. Nachdem der Bergbau versiegte, waren es vor allem die Bergleute, die vor über 500 Jahren begannen, in meisterlicher Handarbeit Kunstwerke aus Holz herzustellen – für den Alltag und zum Dekorieren.

Am bekanntesten sind heute die Nussknacker, Räuchermännchen oder Engel. Jedes Stück ist ein Unikat. Die Kunstwerke sind Teil des UNESCO-Welterbes Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří und prägend für Sachsen.

Bemalen eines Nussknackers

Figuren wie Nussknacker, Räuchermännchen und Engel sind typisch für die traditionelle erzgebirgische Holzkunst. Foto: Tourismusverband Erzgebirge e. V.

Die Tradition der erzgebirgischen Holzkunst wird von rund 1.600 Handwerksbetrieben fortgeführt. Eine Besonderheit ist das Reifendrehen, das es nur noch im Spielzeugdorf Seiffen gibt. Lediglich wenige Meister beherrschen dieses Handwerk, bei dem aus einem Baumstamm Reifen entstehen, die in unglaublicher Präzisionsarbeit beim Drehen das Relief eines Tieres erhalten.

Schließlich werden scheibchenweise Tiere aller Art abgeschnitten, mit geübten Händen geschnitzt und feinen Pinseln bemalt. Weil sie aus einem Reifen geboren werden, nennt man sie Reifentiere. Diese Kunst wird in der Schauwerkstatt des Freilichtmuseums Seiffen vorgeführt.

Luxuriöse Uhren aus Glashütte

Das kleine Städtchen Glashütte rund 30 Kilometer südlich von Dresden genießt Kultstatus unter Uhrmachern und Uhrenliebhabern. Bereits seit 1845 wird hier höchste Uhrmacherkunst mit außergewöhnlicher Liebe zum Detail zelebriert. Was dabei herauskommt, ist in aller Welt begehrt: luxuriöse Zeitmesser, individuell gestaltet und geprägt von sächsischen Werten wie Qualität, Präzision und Zuverlässigkeit.

Seit 175 Jahren ist Glashütte ein bedeutendes Zentrum deutscher Uhrmacherkunst und einer der spannendsten Schauplätze deutscher Wirtschaftsgeschichte. Das Deutsche Uhrenmuseum Glashütte im Herzen der Stadt, das einst die Deutsche Uhrmacherschule beherbergte, dreht die Zeiger zurück und tickt in der Gegenwart.

Blick in Ausstellungsraum im Uhrenmuseum Glashütte

Den Aufstieg der Stadt Glashütte zum weltbekannten Uhrenzentrum zeichnet das Deutsche Uhrenmuseum nach. Foto: Holger Stein Fotografie

Die Dauerausstellung an diesem authentischen Ort gibt einen multimedialen Einblick in die wechselvolle Historie der Glashütter Uhrenindustrie von den Anfängen bis in die jüngste Gegenwart. Viele der Ausstellungsstücke sind weltweit einmalig, darunter Taschen-, Armband- und Pendeluhren verschiedener Epochen, Marinechronometer und Gangmodelle. Immer wieder zeigen spannende Sonderausstellungen neue Facetten.

Im vogtländischen Musikwinkel hängt der Himmel voller Geigen

Im Musikwinkel zwischen Markneukirchen, Schöneck und Klingenthal werden seit mehr als 350 Jahren Musikinstrumente aller Art aus Holz und Blech in Handarbeit gefertigt – meist in kleinen Handwerksbetrieben. Sie prägen den Ruf des Vogtlandes als klingende Ferienregion.

Die Fähigkeit, nahezu alle zu einem Orchester gehörenden Instrumente herstellen zu können, und die hohe Konzentration der Musikinstrumentenbauer in einer Region ist weltweit einmalig. Das Handwerk zählt zum immateriellen Kulturerbe, das heute noch von rund 100 Manufakturen am Leben erhalten wird. Auf Instrumenten aus dem vogtländischen Musikwinkel spielen viele namhafte Künstler.

Handwerker baut Kontrabass

Schon seit 1677 werden rund um Markneukirchen im Vogtland Musikinstrumente gefertigt. Foto: Danny Otto

In Markneukirchen, wo die Wiege des Geigenbaus in Deutschland steht, gibt das Musikinstrumentenmuseum einen guten Überblick über die Entwicklung dieses virtuosen Handwerks seit 1677. In den musealen Räumen des Paulus-Schlösschens befinden sich neben 3.200 verschiedenen Musikinstrumenten auch die größte spielbare Geige der Welt, ein Riesen-Akkordeon für die sechsköpfige Artistengruppe „Doorlay Sisters“, eine Riesentuba und zwei winzige Geigen, die in eine Streichholzschachtel passen. Einen exklusiven Blick hinter die Kulissen und enorm viel Wissen zum Handwerk liefert die benachbarte Erlebniswelt Musikinstrumentenbau.

Plauener Stickereien der Spitzenklasse

Das Vogtland steht auch für feinsten „Zwirn“. In Plauen fertigen über 30 Handwerksbetriebe die berühmte Plauener Spitze. Die filigranen Stickereien sind seit der Weltausstellung 1900, bei der sie einen Grand Prix gewannen, untrennbar mit der Stadt verbunden.

Neben Tischwäsche und modischen Accessoires bringen Modedesigner ihre Kreationen auf die Laufstege der Haute Couture, wie die Fashion Week. Einzigartige Begegnungen mit der Geschichte der Plauener Spitze sind im Deutschen Spitzenmuseum in Plauen möglich. Wer will, kann hier sogar sein Spitzendiplom ablegen.

Plauener Spitze wird gestickt

Filigrane Plauener Spitze ist auch in der Haute Couture beliebt. Foto: TMGS/Achim Meurer

Meissener Porzellan im Zeichen der Gekreuzten Schwerter

Es wird verschenkt, vererbt, gesammelt und verehrt: Meissener Porzellan. Die Porzellan-Manufaktur Meissen steht seit ihrer Gründung 1710 für höchste Porzellanqualität und außerordentliche Handwerkskunst im Zeichen der Gekreuzten Schwerter, dem ältesten eingetragenen Warenzeichen weltweit. Weiße Tonerde, das Kaolin, ist der Schlüssel zur signifikanten Strahlkraft des Meissener Porzellans.

Zum Porzellanschatz der Manufaktur gehört der weltweit größte und älteste Bestand an Gipsformen, historischen Modellen und Vorlagen. Alles, was je in der Manufaktur geschaffen wurde, wird hier bewahrt: Figuren, Plastiken und Skulpturen, Service und unikale Kunstwerke. Im Farblabor werden indes 10.000 Rezepturen streng gehütet.

Am besten kommt man dem Geheimnis des „Weißen Goldes“ in der Erlebniswelt Meissen auf die Spur. Ganz besonders intensiv erfahrbar ist das Kulturgut Meissener Porzellan in den Produktionsräumen der Manufaktur. Mit der „manufakTOUR“ erleben Gäste live die kunsthandwerkliche Entstehung des Porzellans – vom Kaolin aus dem eigenen Bergwerk über die Porzellanmalerei bis zum „ofenfrischen“ Markenprodukt.

Malerin bemalt Teller aus Meissener Porzellan

Die über 300 Jahre alte Porzellan-Manufaktur Meissen hütet einen unerschöpflichen Formenschatz. Foto: Anita Demianowicz

Weltberühmte Weihnachtssterne aus Herrnhut

Der Herrnhuter Stern ist der Star am Weihnachtshimmel. Vor mehr als 160 Jahren wurde das dreidimensionale Kunstwerk mit den markanten 25 Zacken in der ostsächsischen Stadt Herrnhut aus Papier und Pappe kreiert und gilt seither als der Ursprung aller Weihnachtssterne.

Herrnhuter Sterne werden in der Schauwerkstatt hergestellt

Herrnhuter Sterne leuchten heute in vielen Ländern. Hergestellt werden sie in einer Manufaktur in der Oberlausitz. Foto: Katja Fouad Vollmer

In der Advents- und Weihnachtszeit erhellt der Stern in vielen Größen zahlreiche Orte der Welt. Jedes Jahr läutet er traditionell am ersten Adventssonntag die besinnliche Weihnachtszeit ein. In seiner Heimatstadt Herrnhut in der Oberlausitz können Besucher in der Schauwerkstatt der Herrnhuter Sterne die filigrane Herstellung beobachten und zusehen, wie der Stern mit viel Fingerspitzengefühl in Manufakturarbeit entsteht.

Quelle: sachsen-tourismus.de

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