TOP

Woher das Vogtland seinen Namen hat

Bei einer Tour durch das Vogtland schweift der Blick immer wieder zu majestätischen Burgen, Türmen und Schlössern, die hoch über der malerischen Landschaft thronen. Weit über 70 historische Bauten künden von einer mittelalterlichen Glanzzeit, in der die Vögte hier das Sagen hatten. Gemeinsam mit ihren reußischen Nachfahren prägten sie die Region rund 800 Jahre lang und gaben dem Landstrich am Oberlauf der Weißen Elster seinen Namen. Der Kulturweg der Vögte zollt den einstigen Landesherren Tribut.

Wer waren die Vögte?

Im 12. Jahrhundert setzte Kaiser Friedrich Barbarossa beiderseits der Weißen Elster sogenannte Reichsministeriale ein. Ursprünglich waren diese Herren wohl im Norden Thüringens sesshaft gewesen. An ihrem neuen Platz nannten sie sich fortan Vögte von Weida.

Entdeckungen auf dem Kulturweg der Vögte lassen sich gut mit Wander- oder Radtouren verknüpfen, wie hier in Greiz. Foto: Archiv TVV/C. Beer

Das durch Erbteilungen geschwächte Vögte-Geschlecht hatte sich bald des Zugriffs der Mächtigen zu erwehren. Die Markgrafen von Meißen und die Könige von Böhmen begehrten die Besitzungen. Ab Mitte des 14. Jahrhunderts gingen die Güter Voigtsberg, Mylau, Wiesenburg, Schönfels-Werdau und Weida verloren. Hof und das Regnitzland wurden 1373 an die Burggrafen von Nürnberg verkauft. 1485 fiel das Vogtland an die ernestinische Linie der Wettiner. Allein Güter um Greiz, Schleiz und Lobenstein blieben im Besitz der von den Vögten abstammenden Grafen, später Fürsten, von Reuß.

Wehrhafte Burgen und Schlösser an der Nordroute

Der Kulturweg der Vögte verknüpft auf 14 Etappen spannende Ausstellungen und altehrwürdige Städte in Thüringen, Sachsen, Nordbayern und Westböhmen. Eine Wanderung oder Radtour führt über die verzweigte Nordroute größtenteils durch Thüringen zu wehrhaften Anlagen wie Burg Posterstein im Altenburger Land oder Schloss Burgk an der Saale. Ein weiterer Höhepunkt ist die mehr als 1.000 Jahre alte Veitskirche auf dem Veitsberg in Wünschendorf. Sehenswert sind auch die 1786 errichtete Holzbrücke über die Weiße Elster und das 1193 von Vogt Heinrich II. von Weida gegründete Kloster Mildenfurth.

Mittelalterliche Wehranlagen umschließen Schloß Burgk an der Saale. Foto: Archiv Museum Schloß Burgk

Gen Westen liegt mit der Osterburg in Weida die über 800 Jahre alte Stammburg der Vögte. Oft wird die Stadt deswegen als „Wiege des Vogtlands“ bezeichnet. Für eine Rast bei traditionell vogtländischer Küche, Kaffee, Tee und Kuchen gibt es mit der urigen „Wirtschaft zur Osterburg“, dem Café Sieben, der Klosterschänke oder der Pension „Zur Altstadt” reichlich Auswahl. Eine weitere Bastion, die auf dem Kulturweg in Richtung Süden schon aus der Ferne die Blicke auf sich zieht, ist das Obere Schloss in Greiz. Von hier ist die Aussicht auf die umliegenden Täler beeindruckend.

Kirchen, Rundtürme und Ruinen an der Südroute

Neben Weida, Gera und Greiz war Plauen einer der zentralen Orte im Herrschaftsgebiet der Vögte. Durch den Aufstieg zur bedeutenden Industriestadt im 19. Jahrhundert und die schweren Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg erschließt sich die mittelalterliche Stadtanlage erst auf den zweiten Blick. Schon 1122 wurde die Stadtkirche St. Johannis urkundlich erwähnt. Baumerkmale aus dem Mittelalter finden sich an ihr im Bereich der Turmfenster und an der im 14. Jahrhundert errichteten Kapelle der Vögte. Die Kirche wurde 1224 dem Deutschen Orden übertragen, der hinter der Kirche eine große Komturei errichtete. Von diesem Komturhof ist das Konventsgebäude erhalten.

Schloß Voigtsberg in Oelsnitz gründeten die Vögte von Straßberg vermutlich um das Jahr 1200. Foto: Archiv TVV/T. Peisker

Auf eine weitere Zeitreise entführen die jahrhundertealten Mauern von Schloß Voigtsberg in Oelsnitz. Schon die begehbare historische Außenbastion ist ein Erlebnis. Gegründet wurde Voigtsberg mit Bergfried und Wehrmauer vermutlich um 1200 von den Vögten von Straßberg. Später wurde die Kernburg durch den Anbau der St. Georgskapelle, den Palas und die Rundtürme erweitert. Heutzutage beherbergt der Komplex unter anderem drei Museen und einen historischen Kostümfundus.

Die Kirchenruinen im Burgsteingebiet sind heute ein beliebtes Wanderziel. Foto: Archiv TVV/T. Peisker

Am Burgstein westlich von Oelsnitz stehen die Ruinen zweier Wallfahrtskirchen aus dem Spätmittelalter. Eine angebliche Marienerscheinung 1474 machte den Ort zur Pilgerstätte. Da hier die Diözesen Bamberg und Naumburg aneinandergrenzten, beanspruchten beide Bistümer die daraus resultierenden Einnahmen für sich. Wegen dieser Konkurrenz entstanden zwei Kirchen in unmittelbarer Nachbarschaft. Mit der Reformation verloren sie ihre Bedeutung und verfielen schließlich.

Mit Kaiser Barbarossa ins Böhmische

Die Staufer bauten die Burg Eger Anfang des 12. Jahrhunderts zur Kaiserpfalz um. Foto: Archiv TV Vogtland e. V./Janett Schindler

Die Entstehung der Kaiserpfalz von Eger (Cheb) wird mit der Ankunft der ersten deutschen Kolonisten aus Schwaben in Verbindung gebracht. Vermutlich begann der Bau der neuen Burg unmittelbar nach dem ersten Aufenthalt Barbarossas im Jahr 1179. Die erste Erwähnung der einzigartigen Doppelkapelle stammt von 1213. In diesem Jahr stellte Friedrich II. hier die als „Goldene Bulle von Eger“ in die Geschichte eingegangene Urkunde aus. In der ehemaligen Kaiserpfalz befindet sich jetzt ein spannendes Burgmuseum und damit am südlichen Ende des Kulturwegs auch eines der Glanzlichter der Route.

Der komplette Kulturweg der Vögte verknüpft an die 150 Sehenswürdigkeiten. Einen sehr guten Überblick über alle Ziele und touristischen Angebote hat der Tourismusverband Vogtland hier zusammengestellt.

Hinterlassen Sie einen Kommentar